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VERSTANDEN

Sperrt MAN in Steyr tatsächlich zu?

Es gibt in Österreich aktuell nur ein Nutzfahrzeug-Thema, das die Schlagzeilen aller großen Tageszeitungen füllt – der ge­plante Verkauf respektive die Werksschließung des MAN Standortes in Steyr. Kopfschütteln verursacht vor allem die Tatsache, dass aus­schließlich mit Siegfried Wolf, Ex-Magna Boss und heute unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender von Russian Machines, über den Verkauf verhandelt wurde. Die MAN Belegschaft in Steyr hat sich mit knapp 64% eindeutig gegen den Deal mit Wolf ausgesprochen. Dieser wiederum will sein Angebot nicht nachbessern. Bedeutet dies nun tatsächlich das Aus für das große Lkw-Werk in Steyr?

Die Optionen

Dabei ist Wolf bei weitem nicht der einzige Interessent. Auch ein Kon­sortium rund um KeKelit Eigentümer Karl Egger hat mit der Idee ein Green-Mobility-Center entstehen zu lassen einen Plan für die Weiterführung parat. Außerdem haben die Eigentümer des Tatra Kon­zerns großes Interesse bekundet – wir haben in unserem Ex­perttalk mit KR Anton Bucek darüber berichtet. Es steht die große Frage nach den Beweggründen der MAN-Konzernspitze in München im Raum für die eingeschränkten Optionen: Ent­weder Wolf oder zusperren. 

Industrie mit klarer Forderung

Auch die Industrie appelliert an alle Beteiligten für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. „Es braucht eine kluge und vor allem auch betriebswirtschaftlich nachhaltige Lösung. Das Werk hat eine übergeordnete wirtschaftliche und soziale Bedeutung für die ganze Region. Wenn weitere Gespräche dazu führen, dass der Standort Steyr weitergeführt werden kann, sollte diese Möglichkeit unbedingt genutzt werden“, betonte der Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Knill. Wesentlich sei, dass die aktuelle Diskussion vor allem von Sachlichkeit und keinesfalls von kurzsichtigen Emotionen oder Aktionismus geleitet sei.

„Es wird einmal mehr überdeutlich, wie wichtig das Thema internationale Wettbewerbsfähigkeit für einen erfolgreichen Standort ist. Attraktive Rahmenbedingungen sind kein Selbstzweck, sondern die Basis für Arbeitsplätze, Wohlstand und hohe Lebensqualität in unserem Land“, so Knill. Eine kluge Industriepolitik müsse daher entsprechende Voraussetzungen und Anreize schaffen, damit internationale Unternehmensgruppen in ihre Standorte in Österreich investieren und damit Arbeitsplätze sichern bzw. zusätzliche Beschäftigung aufbauen. „Statt über Verstaatlichungsphantasien zu reden, sollte die Entlastung bei der Steuer- und Abgabenquote inklusive Lohnnebenkosten – und wie wir hier auf international verträgliches Niveau kommen – das vorrangige Thema sein“, betonte der IV-Präsident abschließend.

Rote Phantasie oder letzte Rettung?

Genau diese Verstaatlichungsphantasien schweben den Sozialdemokraten vor: SPÖ-Bundesparteivorsitzende, Klubobfrau Pamela Rendi-Wagner fordert einen MAN-Gipfel sowie eine staatliche Beteiligung, um das Werk und damit tausende Arbeitsplätze zu retten.

Die Regierung müsse alle zur Verfügung stehenden Hebel nutzen. Wesentlich sei dabei die ÖBAG, deren Aufgabe es seit Monaten gewesen wäre, sich die Frage zu stellen, wie es mit MAN weitergeht. „Gerade jetzt, in einer Phase der Umbrüche und der Transformation, braucht es eine starke Beteiligungsgesellschaft“, so Rendi-Wagner. Ihr Vorschlag: Unabhängig von MAN soll in der ÖBAG ein Beteiligungsfonds in der Höhe von 10 Mrd. Euro angesiedelt werden, um Arbeitsplätze nicht nur zu sichern, sondern daraus Arbeitsplätze der Zukunft zu machen und neue zu schaffen. Die SPÖ-Vorsitzende ist überzeugt: „Auch bei MAN wäre es eine richtige und wichtige Maßnahme, die der Staat andenken sollte.“

Ernüchternde Studie

Vielleicht rüttelt die jüngste Studie von Univ.- Prof. Dr. Friedrich Schneider, Ökonom an der Johannes Kepp­ler Universität Linz und wissenschaftlicher Leiter der Initiative Wirtschaftsstandort Oberösterreich, doch noch ein paar Re­gierungsmitglieder wach. Schneider hat die volkswirtschaftlichen Konsequenzen einer eventuellen Schließung des MAN-Werkes mit einem ökonometrisch geschätzten Simulationsmodell für Österreich ermittelt.

In diesem Modell werden alle Erst- und Zweitrundeneffekte berücksichtigt und es bildet somit die Wirtschaft Österreichs in umfassender Weise ab. Sollte das Werk tatsächlich geschlossen werden und damit die inländisch wirksame Wertschöpfung von 737 Millionen Euro entfallen, führe dies in Österreich zu einem Rückgang des BIP von 957 Millionen Euro und einem Verlust von 8.400 Arbeitsplätzen inklusive der Arbeitsplätze im MAN-Werk.

Man kann nur hoffen, dass nicht nur diese dramatischen Zahlen einen Kurswechsel herbeiführen. Nicht zuletzt schmerzt es in der österreichischen Nutzfahrzeug Seele, wieder einen der letzten produzierenden Industriebetriebe verschwinden zu sehen.

13.04.2021

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